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Verbot von Einwegplastik: Neue Zeiten in der Gastronomie

Immer mehr Menschen konsumieren Essen außer Haus oder lassen es sich liefern. Das ist bequem, verursacht aber Müll. Um die Umwelt zu schonen, tritt nun ein Verbot für Einweg-Kunststoff in Kraft. Die Gastronomie muss umdenken, auch eine Eisdiele.

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An einem schönen Sommertag quellen die Mülleimer im Eisladen Firenze in der oberbayerischen Gemeinde Haar gerne mal über – mit Plastiklöffeln, Strohhalmen und Styroporbechern. Ladeninhaber Rolando Nardi muss das in Zukunft vermeiden. Denn Wegwerfplastik wird jetzt verboten. Deshalb bietet der Gastronom seit Kurzem eine Alternative.

Mehrweg-Becher als lohnende Alternative

Hauseigene Mehrweg-Becher sollen sich nicht nur für die Umwelt lohnen, sondern auch für die Kundschaft: „Wenn der Kunde fleißig ist und auch an diesem Projekt sich mit Freude mitbeteiligt, seinen Becher sauber zurückbringt, dann kriegt er jetzt zehn Prozent Rabatt auf alle möglichen Artikel“, versichert Nardi.

Wegwerf-Kunststoff verboten

Die Initiative ist nicht ganz freiwillig. Denn ab Samstag (3.7.) gilt EU-weit ein Verkaufsverbot für Wegwerfartikel aus Kunststoff: So dürfen To-go-Becher, Einweg-Geschirr und Fast-Food-Verpackungen EU-weit nicht mehr produziert werden. Handel und Gastronomie dürfen nur noch Restbestände aufbrauchen. Dann müssen sie auf Pappe umsteigen – ohne Kunststoffmantel.

Hoher Aufwand für die Umwelt

Ab 2023 kommt dann für Gastronomen mit einer Ladenfläche von über 80 Quadratmeter die Pflicht, Mehrwegbehälter anzubieten.

Rolando Nardi fängt damit lieber jetzt schon an. Doch der Aufwand macht ihm zu schaffen: Er muss die Becher wieder reinigen – das kostet Zeit und Energie. Das Ganze mache eine Menge Arbeit, so Roland Nardi. Zum Beispiel das Sterilisieren, damit der Becher wiederverwendbar ist. Außerdem muss er das Pfand von 20 Cent pro Becher von seiner Kasse klar trennen, damit er bei der Abrechnung nicht durcheinanderkommt – ein organisatorischer Mehraufwand: „Wir machen trotzdem mit, sagt er, „weil wir sehen, dass praktisch unsere Welt auf diese Art und Weise so nicht mehr weitergehen kann“.

Positiv auf Gäste einwirken

Finanziell bedeuten die neuen Vorgaben für ihn also vorerst eher eine Belastung. Trotzdem fordert Daniela Ziegler vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in München Eigeninitiative von ihrer Branche: „Einige Millionen jedes Jahr werden an Take-away-Verpackungen leider verbraucht, und unser Appell ist, dies mit zu reduzieren, auf die Gäste positiv einzuwirken“, sagt sie dem BR.

Viele Gäste im Café Firenze zahlen für ihren Mehrweg-Becher gerne die 20 Cent auf den normalen Preis drauf. Sie sehen ein, dass weniger Müll produziert werden sollte.

Entschleunigung als Fernziel

Rolando Nardi würde ohnehin gerne mehr Gäste in seinem Laden bedienen. Denn das bringt im Schnitt mehr Umsatz als das To-Go-Geschäft. Und so hofft er auf mehr Gelassenheit durch das Einwegplastik-Verbot.

„Vor 20 Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass ein Deutscher oder ein Italiener ein Kaffee im Pappbecher getrunken hätte“, meint der Gastronom dazu. Damals hätte man sich mehr Zeit genommen für den Espresso oder die Tasse Kaffee: „Das müssen wir wieder erreichen. Damit wir zwei Schritte im Voraus machen, müssen wir jetzt einen Schritt zurück.“

Und wenn es dann doch mal zum Mitnehmen sein muss – gibt es bei Roland Nardi in Zukunft nur noch den hauseigenen Mehrweg-Becher.